Lago di Garda and how to maut

IMG_4468Das erste Mal Italien erlebte ich hautnah am Gardasee. Nach einer Fahrt durch das imposante Burgenland Südtirols mit den Dolomiten links und rechts, die stoischen Riesen gleich das winzige Menschentreiben unter ihnen an sich vorbeiziehen lassen, fuhren wir bei Rovereto Sud/Lago di Garda Nord von der Autobahn runter.

Beschwingt von dem Gefühl, bald la dolce vita in vollen Zügen genießen zu können, ordneten wir uns erstmal in eine der vielen Mautspuren ein. Den Piktogrammen, die Aufschluss über die Art der Mautspur geben, schenkten wir kaum Aufmerksamkeit. Schließlich fuhren wir geradewegs ins Land der Lässigkeit.

Gerade als wir das Geld für die Maut einem Beamten überreichen wollten, stellten wir fest, dass in dem Häuschen, wo sich dieser befinden sollte, nur die Rollos heruntergelassen sind und lediglich ein Schlitz in der Wand klafft, in den man seine Kreditkarte einführen soll. Offenbar handelte es sich um eine Mautspur, in der man ausschließlich mit Kreditkarte bezahlen kann.

Wir hatten keine Kreditkarte.

Einatmen. Ausatmen. Schweißperlen auf der Stirn. Plötzlich steht die Klaustrophobie mit wissendem Lächeln vor uns und empfängt uns mit offenen Armen. Vor uns eine in vollkommener Endgültigkeit heruntergelassene Schranke, hinter uns ein nachrückendes Auto nach dem anderen. Hupen, Schreien, Schimpfen auf Italienisch.

Langsam aber sicher lähmende Panik. Dann der rote Knopf. Wie wild gewordene Tiere hauen wir auf den Knopf, bis sich eine verzerrte Stimme meldet. Hinter uns steigen die ersten Italiener aus ihren Autos und rufen uns irgendwas über meine Mutter zu. Mehrfache verzweifelte Versuche unsere Situation auf Englisch zu umschreiben und gefühlte 40 Tage später kommt ein uniformierter Italiener, der sich erbarmt unser Ticket zu nehmen und uns abzukassieren.

Was danach folgte, war die Mühe wert. Nach weiteren Fahrtminuten fuhren wir auf der Straße zwischen den Bergen, als sich einem gelüfteten Vorhang gleich der Blick schlagartig änderte. Diesen Moment werde ich nie vergessen. Mit einem Mal schieben sich die Berge links und rechts zur Seite und der Gardasee springt einem plötzlich und majestätisch ins Blickfeld wie ein größenwahnsinniges Panoramaposter.

Aber nur für einen kurzen Moment. Es folgen Serpentinen, Tunnel und die gewundene Straße entlang der Dörfer des Gardasees bis nach Lazise/Bardolino. IMG_4312

Am Anfang blitzt der See nur hin und wieder durch, dann irgendwann fährt man fast direkt am Ufer. Einmal sollte man diesen einmaligen „Umweg“ schon auf sich genommen haben. Es lohnt sich. Auch ohne Kreditkarte.

Zum Schluss noch eine Empfehlung: Den besten caffè gibt es im tabacchi irgendwo zwischen Bardolino und Lazise direkt an der Hauptstraße gegenüber eines kleinen Supermarkts. Dort sitzen nur Italiener/-innen, was üblicherweise ein gutes Zeichen ist. Cappuccino 2,00€. Nur mal so. Und jetzt mal kurz an Starbucks denken. Come on.

 

Foto & Text: Natalia Wrzaszczyk

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